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Die Arbeitszeitdebatte: Warum wir über eine transparente und faire Zeiterfassung diskutieren sollten

Geschrieben von Atoria | 24.02.2026 07:56:31

Deutschland diskutiert über Arbeit und die Frage, wie viel genug ist.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat unter anderem mit Aussagen wie „Mit Work-Life-Balance und Vier-Tage-Woche werden wir den Wohlstand dieses Landes nicht erhalten können“ eine intensive Debatte ausgelöst [1]. Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter verweisen auf hohe Überstundenzahlen, Arbeitgeberverbände fordern mehr Flexibilität. Doch jenseits der politischen Positionen sollte ein Thema in den Fokus rücken, das für beide Seiten relevant ist: die systematische, faire und zeitgemäße Erfassung von Arbeitszeit.

Faule Deutsche? Was die Zahlen zeigen

Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wurden 2024 in Deutschland 1,2 Milliarden Überstunden geleistet – das entspricht dem Arbeitsvolumen von mehr als 750.000 Vollzeitstellen. Davon wurden 638 Millionen Überstunden (53,6 Prozent) unbezahlt geleistet [2]. Eine Beschäftigtenbefragung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) für die Jahre 2020 bis 2024 ergab zudem, dass 44 Prozent der Beschäftigten regelmäßig länger arbeiten als vertraglich vereinbart [3].

Die durchschnittliche Arbeitszeit in Vollzeit lag im ersten Quartal 2025 bei 38,14 Stunden pro Woche [4]. Gleichzeitig verweisen Wirtschaftsvertreter darauf, dass Deutschland im europäischen Vergleich bei der jährlichen Arbeitszeit pro Kopf im Mittelfeld liegt – unter anderem wegen des hohen Teilzeitanteils [5].

Zeiterfassung: Wo steht die Gesetzgebung?

Im Jahr 2019 entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass alle EU-Mitgliedstaaten Arbeitgeber zur Einführung eines objektiven, verlässlichen und zugänglichen Systems zur Zeiterfassung verpflichten müssen [6]. Das Bundesarbeitsgericht (BAG) bestätigte diese Pflicht im September 2022 für Deutschland [7].

Der Koalitionsvertrag 2025 von CDU/CSU und SPD sieht die Einführung einer elektronischen Zeiterfassungspflicht vor – „unbürokratisch“ und mit Übergangsfristen für kleinere Unternehmen [8]. Konkrete Gesetzesregelungen stehen jedoch noch aus. Ein Referentenentwurf des Bundesarbeitsministeriums aus dem Jahr 2023 wurde bislang nicht in den Gesetzgebungsprozess eingebracht [9].

Wie wird Arbeitszeit derzeit erfasst?

Laut einer Studie des Digitalverbands Bitkom [10] erfassen drei Viertel der Unternehmen in Deutschland die Arbeitszeit ihrer Mitarbeitenden – doch die Methoden variieren stark: 16 Prozent setzen auf Excel, 13 Prozent auf handschriftliche Stundenzettel und 24 Prozent verwenden stationäre Systeme wie Stechuhren oder Transponderterminals. Etwa ein Drittel der Unternehmen nutzt elektronische Zeiterfassungssysteme am Computer (31 Prozent), weitere 18 Prozent eine Smartphone-App. Die digitale Transformation der Arbeitszeiterfassung schreitet also voran – ist aber noch nicht in der Breite angekommen.

Das birgt Risiken: Analoge Methoden wie Excel oder Stundenzettel sind fehleranfällig, nicht manipulationssicher und bei behördlichen Prüfungen problematisch. Mit der angekündigten Durchsetzungsphase ab 2026 dürfte der Druck zur Umstellung weiter steigen. Gleichzeitig zeigt die Bitkom-Studie, dass mehr als die Hälfte der Unternehmen eine genaue Zeiterfassung als schwer praktikabel empfinden – insbesondere in der Wissensarbeit. 41 Prozent berichten, dass Mitarbeitende sich durch Zeiterfassung kontrolliert fühlen. Es geht also nicht nur um die Einführung irgendeiner Lösung, sondern um moderne Systeme, die Transparenz schaffen, ohne Misstrauen zu erzeugen. 

Passend zu dem Thema: unsere Checkliste zur Arbeitszeiterfassung.

Transparente Arbeitszeiterfassung fördert Work-Life-Balance

Die Arbeitszeitbefragung 2023 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) liefert ebenfalls interessante Einblicke. Beschäftigte ohne Arbeitszeiterfassung arbeiten häufiger unter belastenden Bedingungen. So arbeiten 22 Prozent der Beschäftigten ohne Zeiterfassung mehr als 48 Stunden pro Woche – bei jenen mit Arbeitszeitkonto sind es 9 Prozent. Unterschiede zeigen sich auch bei der Wochenendarbeit (43 vs. 30 Prozent) und bei der Fähigkeit, nach der Arbeit abschalten zu können (40 vs. 48 Prozent) [11].

„Arbeitszeiterfassung, insbesondere mit einem Arbeitszeitkonto, scheint ein wirksames Instrument zu sein, um die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu stärken und gleichzeitig den Beschäftigten mehr Autonomie zu geben“, erklärt Nils Backhaus, Leiter der Gruppe Arbeitszeit und Flexibilisierung bei der BAuA.

Flexibilität und Transparenz schließen sich nicht aus

Ein häufiges Argument in der Debatte ist, dass Zeiterfassung die Flexibilität einschränke. Die Daten der BAuA zeichnen jedoch ein differenzierteres Bild: Beschäftigte mit Arbeitszeitkonto haben mehr Einfluss auf Arbeitsbeginn und -ende (58 vs. 50 Prozent) sowie auf die Möglichkeit, kurzfristig Stunden freizunehmen (61 vs. 56 Prozent).

Zudem nimmt die Verbreitung der Zeiterfassung zu. Bereits 82 Prozent der Beschäftigten erfassen mittlerweile ihre Arbeitszeit. Im Homeoffice stieg der Anteil von 65 Prozent (2019) auf 80 Prozent (2023) [11].
Moderne Zeiterfassung, wie beispielsweise von Atoria [12], hat mit der klassischen Stechuhr am Werkstor nichts mehr gemein, sondern zeigt sich in Form von flexiblen digitalen Lösungen per App auf dem Smartphone, im Browser oder über Cloud-Systeme. Diese sind kompatibel mit New-Work-Konzepten, Homeoffice und verteilten Teams.

Digitale Zeiterfassung mit der tisoware Enterprise-Lösung

Die Enterprise-Lösung von tisoware richtet sich gezielt an mittelständische und Großunternehmen mit komplexen Anforderungen an die Zeitwirtschaft. Im Unterschied zu unserer Einstiegslösung wächst sie mit Ihrem Unternehmen, lässt sich flexibel erweitern und bietet maximale Skalierbarkeit, für eine Zeiterfassung, die genau auf Ihre HR-Prozesse zugeschnitten ist.